Es ist der 20. August 2023, das WM-Finale zwischen England und Spanien ist das krönende Finale einer spannenden Weltmeisterschaft. Nach einem mit Spannung bepacktem Finale steht fest, dass die spanische Frauennationalmannschaft zum ersten Mal den Weltmeistertitel gewinnen konnte. Der Finaltag geht in die Geschichte des spanischen Fußballverbandes ein, allerdings nicht nur aus positiven Gründen. Bei der Siegerehrung schockt ein Kuss die gesamte Fußballwelt. 

Krieg zwischen Verband und Spielerinnen 

Eigentlich sollte die Siegerehrung ganz im Zeichen der Anerkennung der unglaublichen Leistung der spanischen Damen bei der Weltmeisterschaft 2023 stehen, dennoch wird heute noch Wochen danach hauptsächlich über eine Szene geredet. Dem spanischen Verbandspräsidenten Luis Rubiales war die Freude über den ersten Weltmeistertitel der Frauennationalmannschaft sichtlich anzusehen. Sämtlichen Spielerinnen gratulierte der 46-jährige herzlich mit zahlreichen Umarmungen und Küssen auf die Wange. Als dann jedoch Stürmerin Jennifer Hermoso an der Reihe war, kam es zu der skandalösen Szene, die direkt Wellen weltweit schlug. Rubiales küsste Hermoso auf den Mund. Schnell fand sich die Szene in sämtlichen sozialen Medien wieder und erschütterte die gesamte Sportwelt.  

Daraufhin begann ein regelrechter Krieg zwischen Rubiales und den Spielerinnen, allen voran der betroffenen Hermoso. Die 33-jährige bezeichnete den Kuss als “sexistischen Akt ohne jegliche Zustimmung” ihrerseits. Rubiales beteuerte allerdings die gegenseitige Einwilligung des Kusses. Außerdem soll der Kuss aus der Euphorie und der Freude über den Titel entstanden sein und keineswegs böswillig gewesen sein. Trotz Forderungen von vielen Seiten weigerte sich Rubiales von seinem Amt zurückzutreten. Damit war der Startschuss für zahlreiche Protestaktionen gegeben. Zunächst drohten alle spanischen Nationalspielerinnen, nicht mehr für die Nationalmannschaft aufzulaufen, solange Rubiales nicht aus seinem Amt entfernt werden würde. Auch die spanischen Männer meldeten sich zu Wort und verurteilten das Verhalten von Rubiales. Stürmer Borja Iglesias schloss sich sogar dem Protest der Spielerinnen an und verweigerte das Auflaufen für den spanischen Verband unter der aktuellen Leitung. Die spanische Politik, unter anderem auch Ministerpräsident Pedro Sanchez, stellte sich ebenfalls auf die Seite von Hermoso und bezeichnete das Verhalten, sowie die Entschuldigung von Rubiales, als unakzeptabel. 

Was passiert jetzt? 

Nach zahlreichen Protesten und einer enormen medialen Schockwelle sah sich der Weltfußballverband „FIFA“ gewzungen, Luis Rubiales am 27. August 2023 zu suspendieren, erstmal für 90 Tage. Am 05. September reichte Jennifer Hermoso dann Klage gegen den spanischen Verbandspräsidenten wegen sexuellem Übergriff ein. Auch seitens der spanischen Regierung muss Rubiales mit Folgen rechnen, denn im Moment wird geprüft, ob der 46-jährige seine Autorität ausgenutzt haben soll. Sollte dies bestätigt werden, droht eine 2-jährige Sperre. Weiterhin gab es auch für den spanischen Nationaltrainer Jorge Vilda Konsequenzen. Zwar wäre er laut dem spanischen Fußballverband „ein Schlüssel für das bemerkenswerte Wachstum“ gewesen, dennoch bekleckerte er sich während des Kuss-Skandals nicht mit Ruhm. So bezeichnete Vilda die Aufregung um den Kuss als „Unsinn“. Diese Aussage gekoppelt mit den Auseinandersetzungen zwischen ihm und der Mannschaft schon vor der WM führte letztendlich zu seiner Entlassung.

Die endgültigen Folgen für Luis Rubiales stehen zwar noch nicht fest, allerdings ist jetzt schon klar, dass dem spanischen Fußballverband eine turbulente Zeit bevorsteht. 

Ungewollter Kuss als Höhepunkt einer langen Saga 

Bereits vor dem Start der Weltmeisterschaft kam es zu großen Spannungen innerhalb der spanischen Frauennationalmannschaft. Einige spanische Spielerinnen, darunter auch die Star-Verteidigerin Mapi León (FC Barcelona), beschwerten sich über fehlenden Respekt des Nationaltrainers Jorge Vilda. Der 42-jährige soll unter anderem Taschen der Spielerinnen kontrolliert haben und das Abschließen der Hoteltüren verboten haben. Weiterhin beschwerten sich insgesamt 15 Spielerinnen in einer öffentlichen Erklärung auch über die Trainingszustände. Trotz der Spannungen zwischen Mannschaft und Trainer schafften die Spanierinnen den Sensationserfolg.  

Allerdings war dieser Zwischenfall nicht der erste Fall von Auseinandersetzungen zwischen dem spanischen Verband und den Spielerinnen. Vor Vilda war Ignacio Querada Nationaltrainer der spanischen Damen, und zwar für unglaubliche 27 Jahre. Damit ist er bis heute der am längsten amtierende Nationaltrainer im europäischen Fußball. Genau die lange Amtszeit des gebürtigen Madrilenen war jedoch auch das Problem, denn 2015 kochte das Fass über, als alle 23 Nationalspielerinnen öffentlichen seinen Rauswurf forderten. Nahezu Jahrzehnte war Querada Nationaltrainer, für viele ein Zeichen des fehlenden Interesses des spanischen Fußballverbandes gegenüber der Weiterentwicklung des Frauenfußballs. Nun brodelte es auch zwischen seinem Nachfolger Vilda und seinen Spielerinnen. 


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