Die spanische U20 Frauennationalmannschaft konnte sich gegen Japan im Endspiel der diesjährigen U20 Weltmeisterschaft in Costa Rica mit 3:1 durchsetzen und sich damit zum allerersten Mal zum Weltmeister krönen. Dadurch zählt Spanien nun zu einem elitären Klub, denn erst vier Nationen konnten vor ihnen in den zehn bisher gespielten Turnieren den Titel gewinnen. Mit dem Endspiel ging am 29.08.2022 eine torreiche Weltmeisterschaft zu Ende, denn in den 32 Spielen wurden insgesamt 86 Tore erzielt, also ganze 2,69 Tore pro Spiel. Bezüglich der Zuschauerzahlen gehört die WM 2022 in Costa Rica zu den schwächeren Turnieren mit insgesamt 174 650, beziehungsweise 5 458 Zuschauern pro Spiel.

Zwei ehemalige Weltmeister scheiden bereits in der Gruppenphase aus

Mit Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika sind gleich zwei ehemalige Weltmeister in der Vorrunde ausgeschieden. Die beiden Nationen konnten zwar in den vorherigen neun Turnieren jeweils 3-Mal den Weltmeistertitel einfahren, womit sie zu den erfolgreichsten zwei Nationen in der Geschichte der U20 WM der Frauen zählen, jedoch gab es in der zehnten Ausgabe des Turniers für beide Mannschaften mit nur einem Sieg als Drittplatzierte in ihren Gruppen ein frühes aus.

Deutschland befand sich in der Gruppe B und konnte lediglich gegen den letztplatzierten der Gruppe, Neuseeland, einen Sieg einfahren. An der Spitze der Gruppe B kam es zu einem wahrhaften „Foto-Finish“, denn sowohl Kolumbien als auch Mexiko standen nach drei gespielten Gruppenspielen bei 5 Punkten und hatten zudem auch noch mit +5 die gleiche Tordifferenz. Außerdem ging das direkte Duell der beiden lateinamerikanischen Nationen 0:0 aus, sodass der Gruppen beste über die Anzahl der erzielten Tore bestimmt werden musste, wodurch am Ende die Kolumbianerinnen mit einem erzielten Tor mehr als die Mexikanerinnen den Gruppensieg einfahren konnten.

In der Gruppe A hatte Weltmeister Spanien lediglich mit der brasilianischen Mannschaft ein wenig Probleme, denn gegen die „Selecao“ kam die Mannschaft von Nationaltrainer Pedro López nicht über ein torloses Unentschieden hinaus.  Die beiden Favoriten in der Gruppe A hatten ansonsten keinerlei Schwierigkeiten in der Gruppe und konnten beide gegen Gastgeber Costa Rica deutlich mit 5:0 gewinnen. Den Gruppensieger bestimmte am Ende die Tordifferenz, durch welche Spanien, wenn auch knapp, mit nur einem erzielten Tor mehr bei keinen Gegentoren sowohl von Spanien als auch von Brasilien, sich den ersten Platz der Gruppe sichern konnte.

Die Gruppe C wurde von den nigerianischen Fußballerinnen dominiert, welche mit drei Siegen souverän den Gruppensieg holten. Die zweimaligen Vizeweltmeisterinnen beendeten die Gruppenphase damit einen Platz vor den Französinnen, welche mit zwei Siegen und einer knappen Niederlage gegen Nigeria zweiter wurden. Aus der Gruppe C ausgeschieden sind damit Südkorea und Kanada.

Abschließend hat es in der Gruppe D, wie in der Gruppe B Deutschland, die USA nicht geschafft, sich für die Endrunde zu qualifizieren. Nach nur einem Sieg gegen die ghanaische Mannschaft waren drei Punkte am Ende nicht genug für die US-Amerikanerinnen, um die Gruppe vor den Niederlanden mit 6 Punkten und dem ungeschlagenen Gruppensieger Japan mit 9 Punkten zu beenden. Der Vizeweltmeister Japan hatte leichtes Spiel in der Gruppe und kassierte lediglich einen Treffer.

Spannende Spiele auf dem Weg zum Finale

Nach einer aufregenden Gruppenphase standen die Viertelfinalpartien vor der Tür. Für die Spanierinnen reichte der Treffer von der Torschützenkönigin der Weltmeisterschaft 2022, Inma Gamarro, gegen Mexiko für den Einzug in das Halbfinale. In der zweiten Viertelfinalpartie setzte sich die brasilianische Mannschaft ebenfalls knapp mit 1:0 gegen Kolumbien durch. Die sechsterfolgreichste Nation in der Geschichte der U20 Frauen-WM, Nigeria, unterlag der Niederlande mit 0:2. Die letzte Viertelfinalbegegnung sollte zum aufregendsten Spiel des Turniers werden, denn Japan und Frankreich mussten nach einem 3:3 nach Verlängerung den Sieger im Elfmeterschießen bestimmen. Dort konnten sich dann die Japanerinnen mit 5:3 durchsetzten und damit in das Halbfinale einziehen. Für die französische U20 Frauennationalmannschaft war es erneut eine bittere Niederlage im Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft, nachdem man bei der Heim-WM 2018 im Spiel um Platz 3 gegen England ebenfalls im Elfmeterschießen verlor und damit die erst zweite Medaille nach Bronze 2014 in Kanada verpasste.

Die Halbfinalbegegnungen wurden beide von der jeweils besten Spielerin entschieden. Aufseiten der Spanierinnen war es die Top-Scorerin des Turniers, Inma Gamarro, welche gegen die Niederlage einen Doppelpack erzielen konnte und damit den 2:1 Sieg ermöglichte. Bei den Japanerinnen war es die als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnete Maika Hamano, welche in der 84. Minute den Siegtreffer erzielen konnte.

Die beiden im Halbfinale ausgeschiedenen Brasilien und die Niederlande kämpften im Spiel um Platz 3 noch um die Chance auf die Bronzemedaille. Brasilien konnte sich am Ende deutlich mit 4:1 durchsetzen und die zweite Bronzemedaille nach der WM 2006 gewinnen. Das Spiel wurde von der Verteidigerin Tarciane entschieden, welche zunächst in der ersten Halbzeit einen Elfmeter vergab, allerdings dafür dann in der zweiten Halbzeit mit zwei Treffern maßgeblich am Sieg ihrer Mannschaft beteiligt war. Dabei gelang ihr zudem auch noch das wahrscheinlich schönste Tor des Turniers, denn einen ihrer beiden Treffer erzielte sie per Fallrückzieher, nachdem sie sich am Morgen vor dem Spiel nach eigenen Aussagen noch einige Fallrückzieher auf „TikTok“ angesehen hätte.

Neuauflage vom Endspiel 2018 geht an Spanien

Erstmalig trafen dieselben Mannschaften bei zwei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften im Finale aufeinander, wobei der Ausgang in diesem Jahr anders als bei der WM 2018 in Frankreich. Diesmal waren es die Spanierinnen, welche den Weltmeistertitel feiern durften. Das Spiel startete mit einer dominanten Anfangsphase Spaniens, in welcher die 19-jährige Inma Gabarro den Führungstreffer zum 1:0 in der 12. Minute erzielen konnte. Daraufhin begann die Show von dem 18-jährigen Ausnahmetalent Salma Paralluelo, welche die Führung ihrer Mannschaft durch einen Doppelpack auf 3: 0 ausbauen konnte. Paralluelo, welche gerade erst für den FC Barcelona unterschrieben hat, hätte dabei auch einen ganz anderen Weg als die Fußballkarriere einschlagen können, denn sie war auch eine talentierte Leichtathletin, welche in gleich mehreren Disziplinen Landessiegerin in Spanien werden konnte. Nationaltrainer Pedro López wird vermutlich froh sein, dass sich die Stürmerin am Ende für die Fußballkarriere entschieden hat, denn mit ihren zwei Treffern im Endspiel schoss sie Spanien zum Weltmeistertitel, da die Japanerinnen lediglich auf 3:1 kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit verkürzen konnte, als Suzu Amano den Ball an der besten Torhüterin des Turniers, Txell Font, vorbeischieben konnte.


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