Der zweite Viertelfinaltag bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Katar brachte die letzten beiden Halbfinalisten hervor, nämlich der amtierende Weltmeister Frankreich und Marokko, die Sensation des Turniers. Gemeinsam mit den anderen beiden Viertelfinalisten, England und Portugal, boten die beiden Mannschaften am 10. Dezember erneut spannende Partien für die Fans. Im „Al Bayt Stadium“ geht es am 13. Dezember nun für die beiden frisch gekrönten Halbfinalisten um den Einzug in das Endspiel der WM 2022.

Marokko macht ganz Afrika stolz

Die marokkanische Nationalmannschaft war bereits vor der Viertelfinalbegegnung gegen Portugal die Sensation des Turniers, jedoch gelang ihnen durch den Sieg im Viertelfinale etwas Historisches, denn die „Löwen vom Atlas“ sind die erste afrikanische Mannschaft, die sich für das Halbfinale bei der Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Zuvor scheiterten drei andere afrikanische Mannschaften im Viertelfinale (1990 Kamerun, 2002 Senegal, 2010 Ghana). Die Marokkaner beendeten damit ein 92-jähriges Warten der Afrikaner auf einen Halbfinalisten, denn in insgesamt 49 Versuchen gelang es zuvor keiner afrikanischen Nation, zu den vier besten Mannschaften bei einer WM zu zählen. Auf der anderen Seite hatte der Sensationstriumph jedoch auch eine Schattenseite, denn für Portugals Superstar Cristiano Ronaldo war es voraussichtlich der letzte Auftritt bei einer Weltmeisterschaft, womit „CR7“ der lang ersehnte Weltmeistertitel verwehrt bleibt.

Bereits vor Anpfiff der Begegnung sorgte die portugiesische Startelf für Aufsehen, denn zum zweiten Mal in Folge stellte Nationaltrainer Fernando Santos den Rekordnationalspieler Cristiano Ronaldo nicht von Beginn an auf. Für Ronaldo, welcher in 196 Länderspielen unglaubliche 118 Treffer erzielen konnte, ist dies ein weiteres Tief in seiner ohnehin bescheidenen bisherigen Saison, bei der es viel Kontroverse bei seinem Ex-Klub Manchester United gab. Ohne ihren Superstar starteten die Portugiesen trotzdem gut in das Spiel und gleich in der vierten Minute musste der marokkanische Torhüter Yassine Bounou das erste Mal eingreifen, als eine Flanke nach einem Freistoß den 23-jährigen Stürmer Joao Felix fand, welcher einen springenden Kopfball ansetzte. Der Stürmer von Atletico Madrid hatte in der ersten Spielhälfte noch zwei weitere Torchancen, welche allerdings keine großen Probleme für Bounou darstellten, während die Offensive der marokkanischen Mannschaft langsam an Fahrt aufnahm, beflügelt von den 44,198 Zuschauer im „Al Thumama Stadium“. In der 42. Minute wurden die Mühen der Mannschaft von Nationaltrainer Walid Regragui belohnt, als Youssef En-Nesyri per Kopfball den Führungstreffer erzielen konnte.

Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte versuchte Marokko nachzulegen, als Starspieler Hakim Zyiech per Freistoß den einlaufenden Jawad El Yamiq fand, welcher allerdings am portugiesischen Schlussmann Diogo Costa scheiterte. Daraufhin gab es in der 51. Minute aufgrund von Cristiano Ronaldos Einwechslung großen Applaus vom Publikum, denn mit seiner Einwechslung stellte Ronaldo den Rekord für die meisten Länderspiele, aufgestellt vom Kuwaiter Bader Al-Mutawa, ein. Wenig später war es jedoch nicht Ronaldo, sondern sein Ersatz Goncalo Ramos, der beinahe den Ausgleichstreffer erzielte. Der Kopfball des 21-jährigen Stürmers vom portugiesischen Hauptstadtklub Benfica Lissabon, welcher im Achtelfinale als jüngster Spieler in WM-Geschichte einen Hattrick erzielen konnte, verfehlte das Tor der Marokkaner jedoch knapp. Ab diesem Zeitpunkt stellte die marokkanische Defensive ununterbrochen ihre Klasse unter Beweis, welche sie über das ganze Turnier zeigten, denn mit lediglich einem Gegentor im bisherigen Turnierverlauf ist die Defensive der „Atlas Lions“ die beste aller Nationen bei der WM 2022. Während Bruno Fernandes in der 63. Minute einen Schuss von knapp außerhalb des Strafraums hauchdünn über die Latte setzte, vereitelte Torhüter Bounou erneut eine gefährliche Torchance von Joao Felix in der 83. Minute. Am Ende blieb es damit beim 1:0 für die Marokkaner, welche damit als dritter Halbfinalist feststanden.

Amtierender Weltmeister setzt sich dank verschossenem Elfmeter durch

Die französische Nationalmannschaft traf im späteren Viertelfinalspiel auf die Engländer, welche bei der diesjährigen Ausgabe der Weltmeisterschaft den ersten Titel seit 1966 gewinnen wollte. Den „Three Lions“ gelang besagtes jedoch nicht, stattdessen bewahren sich die Franzosen die Chance auf die Titelverteidigung. Dies hätte einen besonderen historischen Wert, denn seit Brasilien (1958 und 1962) ist es keiner anderen Nation gelungen, ihren Weltmeistertitel erfolgreich zu verteidigen.

Das Spiel hätte für „Les Bleus“ nicht besser starten können, denn bereits in der 17. Minute konnte Aurelien Tchouameni mit einem fantastischen Weitschuss die 1:0 Führung erzielen. Der Treffer des 22-jährigen Mittelfeldspielers von Real Madrid war jedoch umstritten, denn die Engländer wollen zuvor zwei Fouls an Bukayo Saka gesehen haben, welche von Schiedsrichter Wilton Sampaio allerdings nicht gepfiffen wurden. So mussten die Engländer früh einem Rückstand hinterherlaufen, was sich gegen den amtierenden Weltmeister als enorm schwere Aufgabe herausstellen sollte.

Zu Beginn der zweiten Hälfte fiel Bukayo Saka dann erneut zu Boden, dieses Mal jedoch im französischen Strafraum, woraufhin der Schiedsrichter einen Strafstoß für die „Three Lions“ gab. Zum Elfmeter trat der Kapitän und Rekordtorschütze Harry Kane an, welcher den Strafstoß souverän zum 1:1 Ausgleich verwandelte. Vor 68,895 Zuschauer kam es dann in der 70. Minute beinahe zum Führungstreffer für die englische Mannschaft durch Innenverteidiger Harry Maguire, welcher per Kopf nur knapp das Tor vom französischen Kapitän Hugo Lloris verpasste. Kurz darauf erlöste dann Olivier Giroud, der Rekordtorschütze der „Équipe Tricolore“, die Franzosen mit seinem Kopfballtreffer zur 2:1 Führung, nachdem der 36-Jährige zuvor eine vielversprechende Chance vergeben hatte. In der 84. Minute kam es dann zur spielentscheidenden Szene als Theo Hernandez im Strafraum ein Foul gegen Mason Mount beging, weshalb es einen erneuten Elfmeter für England gab. Damit hatte die englische Mannschaft eine gute Chance auf den Ausgleichstreffer kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit, jedoch schoss Harry Kane den Ball dieses Mal über das Tor, womit er das Viertelfinalaus seiner Mannschaft besiegelte. Damit gewann Frankreich das Spiel am Ende mit 2:1 und erwartet nun die Turniersensation Marokko im Halbfinale.


Bochum - Hoffenheim
Bayern Munich - Eintracht Frankfurt